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Guter Durchschnitt In einer Frauenzeitschrift ist zu lesen, wie der deutsche Durchschnittsmann ist. Er ist, liest man interessiert, knapp vierzig, einundachtzig Kilo schwer und heißt Christian. Aha! Warum bloß wollten die Schreiber des Artikels wissen, wie der Durchschnittstyp ist? Damit frau ihren Mann mit dem Durchschnitt vergleichen kann? Was wird passieren, wenn manch eine erschreckend feststellt, dass sie unter Durchschnitt geheiratet hat? Wie man das Durchschnittsalter errechnet, leuchtet ein; man addiert einfach das Lebensalter einer bestimmten Gruppe, Männer in diesem Fall, und teilt die Summe durch die Anzahl der Männer und, schwupps, hat man das Durchschnittsalter. Genauso wird man errechnet haben, wie viele Hemden und Hosen der Mann im Schrank hat. Frau kann sich gut vorstellen, einen Mann an ihrer Seite zu wissen, der 38,7 Jahre alt ist, allerdings löst es Erstaunen aus, wenn er 4,9 Jeans besitzt. Heißt das, einer seiner Kulthosen fehlen einige Zentimeter, oder haben sie etwa Hochwasser? Oder was fehlt sonst am Beinkleid? Etwa die Knöpfe??? Na ja, wie gesagt, im Durchschnitt sind es eben 4,9 Hosen. Ebenfalls ausgerechnet hat man, weil von öffentlichem Interesse, wie oft der Durchschnittstyp an Sex denkt und wie oft er es denn in die Tat umsetzt. Aus welcher Quelle kommen bloß die Zahlen? Wurden die Männer einfach befragt, und man vertraute einfach auf deren Ehrlichkeit? Na, das scheint ein zweifelhaftes Unterfangen zu sein. Ist egal, wir glauben einfach, dass er täglich elf Mal an Sex denkt. Wieder wird man die übliche Rechnung angewandt haben. Einer denkt nie daran und der andere eben zweiundzwanzig Mal, im Durchschnitt also elf Mal. Das geht klar. Nun fragt frau sich doch, wie hat man denn den Durchschnittsnamen errechnet? Bei Mir würde aus einem Manfred und einem Jürgen ein Jürfred oder ein Mangen. Aus einem Manfred, Jürgen, Joachim und einem Günther ein Majüchither. Wollen wir es dabei belassen, irgend wie haben sie es eben ausgerechnet. Basta. Muss schon ein netter Typ sein, dieser Christian. Er liebt Autos, fährt einen Golf (warum nicht?), träumt vom Porsche (wer nicht?) und verdient immerhin 75.000,-- DM im Jahr (hört, hört). Es ist zu vermuten, dass er auch eine Durchschnittsfrau hat, die soundsoviel Kilo wiegt (wollen wir jetzt nicht ins Detail gehen), siebenundzwanzig Komma vier Pullover im Schrank hat, Sabine heißt und Fiat fährt. Ob demnächst eine Männerzeitschrift mit ähnlichen Angaben aufwartet? Ich höre, wie unser Ford um die Ecke in die Garageneinfahrt biegt, der Schlüssel dreht sich im Haustürschloss, und mein Mann kommt herein. Ich vergleiche ihn mit dem Durchschnittsmann und muss feststellen, dass er in keinem Punkt dem entspricht. Er ist leichter als einundachtzig Kilo, besitzt mehr Jeans, fährt keinen Golf, macht sich nicht besonders viel aus Autos, Christian heißt er auch nicht. Schön, dass er nicht so durchschnittlich ist. Er nimmt mich zur Begrüßung in den Arm und ich frage mich, woran denkt der jetzt?
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